Chip im Mensch

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Neil Harbisson ist Cyborg: Regenbogen hört er, seine Lieblingsfarbe ist Infrarot. Geht an der australischen Ostküste über dem Tasmanischen Meer die Sonne auf, kann zeitgleich Harbisson in London die Farbharmonien wahrnehmen. Harbisson ‚fühlt‘ via Digitalverbindung, er versteht sich als Maschinen-Mensch. Er ist der erste Teilnehmer eines ‚Internet of Humans‘. Sein Selbstexperiment erläutert er beim IoT Workshop des Enterprise Plenums im Oktober.


Implantate mit digitaler Schnittstelle sind Alltag, Beispiele sind Herzschrittmacher oder die Hörprothese Cholea. Neil Harbisson jedoch ist ein Sonderfall, er hat sich eine Antenne in den Schädel implantieren lassen. Sie scannt die Farbumwelt, eine Software übersetzt die Daten in Töne. Über das System „hört“ Harbisson die Farbumgebung und kann diese „spüren“. Am liebsten empfindet er die tiefen Frequenzen des Infrarotspektrums schildert er in einem Interview. Angebunden sind zudem Bild- und Sprachdaten von fünf Handys quer über den Globus. Deshalb kann er die Farbharmonie des Sonnenuntergangs in Australien wahrnehmen. Harbisson ist vernetzter Mensch.

Und er ist nicht der Einzige: Chip-Implantate sind Trend. In Schweden tüfteln Startups, Biohacker, am Internet of Humans: Zukunftsgläubige lassen sich einen Minispeicher implantieren, der Chip wird vom Tätowierer unter die Haut geschossen. Per Nearfield Communication soll das elektronische Bauteil künftig die Haustür oder das Auto öffnen. Die Steuerung folgt via App auf dem Smartphone. Per Sensorik könnte der Chip Körperfunktionen messen, zur medizinischen Datenschnittstelle werden, schwärmen die Innovatoren. Speicher, gekoppelt mit Übertragungslösungen und Sensorik im Körper, all das bietet bereits genügend Ideen- und Diskussionspotential.


Der Schritt der digitalen Erweiterung direkt in der Wahrnehmung ist eine andere Dimension.


Neil Harbisson ist deutlich futuristischer. Er hat mit seinem „Eyeborg“ die Sinnes- mit den Datenwelten gekoppelt. Riechen, Sehen, Hören, Schmecken und das Fühlen über die Haut ergänzt er um eine neue Eindruckswelt; „Farbenhörig“ nennt er das. Seine Software übersetzt die Daten des Farbscanners- ins Hörspektrum und umschließt dabei Bereiche ausserhalb der menschlichen Wahrnehmung, etwa Infrarot. Die Schwingungen, so schildert Harbisson, kann er empfinden, interpretiert er zur neuen Wahrnehmung. Harbissons Vorgeschichte spielt dabei eine gewichtige Rolle: Der heute 34jährige Spanier studierte in seinem Heimatland Kunst, später in Great Britain experimentelle Komposition und Klavier.
Seine Farbblindheit führte ihn zum „Übersetzen“ von Farben zu Tönen.

Bereits mit 20 Jahren startete Harbisson sein Experiment, trug Rechner und Akku zunächst im Rucksack. Mit der IT-, der Chip-Entwicklung und chirurgischen Eingriffen verwuchs der „Eyeborg“. Als nächstes möchte Harbisson nun seine Blutzirkulation als Energielieferant für die Digitalkopplung anzapfen.

Harbisson fühlt sich als Cyborg. Mit seinem Selbsterfahrungsexperiment eröffnet er die Diskussion um  wichtige Grundlagenfragen: In der Medizin prüfen, steuern überwachen Implantate bereits. Doch der Schritt der digitalen Erweiterung direkt in der Wahrnehmung ist eine andere Dimension. Das Harbisson Experiment ist noch nicht zu Ende. Sicher ist: Der Mensch ist in Sachen IoT das entscheidende Element, die Frage bleibt, inwieweit er direkt mit den Datenwelten vernetzt wird. Der implantierte Chip ist Chance und sicherlich auch Risiko.

http://www.nzz.ch/international/europa/schwedens-interesse-an-implantierten-datentraegern-der-chip-in-mir-ld.116337

https://de.wikipedia.org/wiki/Neil_Harbisson

 

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