2021 Fernschreiben | 31. August 2021

Fernschreiben

Unsere Tech-Watchlist spiegelt rasante Entwicklungen bei Lieferdiensten, in Forschung und Entwicklung sowie Robotics wider. Alles auf einen Blick gibt’s hier.

Goldmedaille für KI

Höher, schneller, weiter dank KI? Bei Olympia in Tokio traten Sportler:innen an, deren Training unter anderem von Algorithmen gesteuert wurde: Diese verarbeiteten Trainingsdaten, um Echtzeit-Feedback an die Trainer zu geben. Sogar mögliche Sportverletzungen konnten so vorhergesagt werden. Das System erfasst biomechanische Daten wie die Position der wichtigsten Körpergelenke. Informationen über Schlaf, Flüssigkeitszufuhr, Ernährung, Stimmung, Stress und wahrgenommenen Muskelkater flossen ebenfalls mit ein. Ob – wie bei der Formel 1 – demnächst auch die Techniker:innen mit aufs Treppchen dürfen?

Nur die Märkte bleiben hungrig
Je unbeweglicher wir werden, desto dynamischer entwickelt sich der Markt der Lieferdienste. Fast so flott wie durch sie Lebensmittel ihre Besitzer:innen wechseln, werden auch die anbietenden Unternehmen gehandelt. Wer kann da noch den Überblick behalten? Und das ist erst der Anfang, denn große Wachstumsmärkte wie Indien bringen derzeit Unicorns hervor, die noch einmal ganz anders auftischen können: Der Börsengang des Delivery-Dienstes Zomato beweist es mit einem Plus von 65 % am ersten Handelstag.

Bolt schlägt ein wie der Blitz
Wenn wir uns für die Dinge des täglichen Lebens nicht mehr aus dem Haus bewegen müssen, könnten Lieferdienste sogar bald schon unsere persönliche Mobilität ersetzen. So sieht es zumindest das Liefer-Start-Up Bolt aus Tallinn. Schon länger setzt es auf Alternativen zum Auto (Mietwagen, Mikromobilität, Carsharing und eben Essenslieferdienste) und expandiert mit der Idee in zehn Länder Europas, um den bestehenden Kundenstamm von 75 Millionen Kunden und Kundinnen in 40 Märkten auszubauen. Finanziert wird das in einer neuen Runde, die 600 Millionen Euro einbrachte.

Leben in der Zuckerberg-Welt

Warum auch das gemütliche Zuhause verlassen, wenn wir die Außenwelt dort simulieren können? Mark Zuckerberg will genau das mit Metaverse realisieren. Denn noch einmal – wie beim Umstieg auf das mobile Internet – möchte er nicht den Zug verpassen, sondern ganz vorne die Entwicklung vorantreiben. Das Facebook-Portal und Oculus wären dafür die passende Eintrittskarte. Freunde treffen, Arbeiten, Shoppen, Sport treiben, ins Kino gehen: All das bilden die digitalen Welten mit Avataren ab – inklusive Bezahlmöglichkeit mit Kryptowährungen. Schon heute können sich Teams in den jüngst gelaunchten Horizon Workrooms, einem VR-basierten Meeting Tool, treffen. Adieu, Zoom-Fatigue, willkommen in Zuckerbergs Avatar-Welt!

Run auf Bitcoin dank Dorsey?

Apropos Kryptowährungen: Bitcoin & Co setzen sich immer mehr für die weitere Monetarisierung von digitalen Angeboten durch. Darauf stellt sich auch Twitter-CEO Jack Dorsey ein, der ankündigte, dass Bitcoin zukünftig in Twitter integriert werden soll – in Features wie Super Follows, Abos und Tip Jar. Die Kryptowährung gehört zu den drei Top-Schlüsselfaktoren für Twitters Zukunft, sagte er gegenüber seinen Investoren. Dorsey pusht sie derzeit – unter anderem, indem er gemeinsam mit Jay Z für die Entwicklung von Bitcoin in Afrika und Indien 23,6 Millionen Dollar einsetzte.

Neurograins: Sie wissen was du gesehen hast

Salzkorngroß sind die Mikrochips, mit denen Forschende der University of California in Berkeley unsere Gedanken sichtbar machen wollen. Sie setzen dabei auf dreidimensionale Muster in der Hirnaktivität, die sich spezifisch zu bereits gesehenen Filmszenen zuordnen lassen. Und das funktioniert so: Die winzigen Neurograins messen auf der Hirnoberfläche Aktivitäten in der jeweiligen Hirnregion und senden diese einzeln und kabellos an einen daumennagelgroßen Empfänger weiter. Anhand der vorher aufgezeichneten Muster können Forschende identifizieren, welche Szene von den Proband:innen gerade gesehen wird. Das Gute: Die Neurograins können auch Impulse aussenden und damit nicht nur Bilder vor dem inneren Auge erzeugen, sondern auch Bewegungen stimulieren. Eine große Chance für Schlaganfall- oder Parkinsonpatienten.

Alphabet fordert mit sensiblen Robotern NVIDIA & Co heraus

Mit „Intrinsic” steigt der Digitalkonzern Alphabet wieder tiefer in die Robotik ein. Seitdem der Konzern sich von Boston Dynamics getrennt hatte, tüfteln die Forschenden an einem neuen Projekt: Industrie-Roboter sollen mithilfe von neuer Software ihre Umgebung erkennen, lernen und sich automatisch an Situationen anpassen, während sie Aufgaben erledigen. Damit könnten aufwändige Programmierungen wegfallen. Chief Technology Officer Torsten Kroeger and Martin Haegele sollen das Projekt zum Erfolg führen und einen Vorsprung zu Konkurrenten wie NVDIA und Microsoft ausbauen. Ihr größter Trumpf dabei: Die leistungsfähige KI von Google.

Grundrechte für Roboter?

Roboter werden dem Menschen immer ähnlicher. Doch wo liegen die Grenzen der Verschmelzung? Das beschäftigt Technologiephilosophen und bietet besten Stoff für Sci-Fi-Movies: Im Film „Ex Machina” entwickelt das Mensch-Maschine-Mischwesen Ava Gefühle – eine Grundvoraussetzung, ihr „Roboter-Rechte“ einzuräumen? Kate Darling, MIT-Forscherin und Ethikerin stellt die Frage ganz anders: Auch wenn Roboter nichts fühlen, entwickeln wir Emotionen für sie – und das sei ein guter Grund für einen kultivierten Umgang mit ihnen.

DeepMind: Wettrennen um Bauplan des Lebens

Was unterscheidet uns außer unserer komplexen Psyche noch von Robotern? Richtig: Die Vielfalt unterschiedlicher Zellen, die wiederum aus einer Unzahl verschiedener Proteinstrukturen bestehen. 20.000 dieser Strukturen konnte das Google-Unternehmen DeepMind mit seinem Projekt AlphaFold bereits entschlüsseln. Ein besonderer Erfolg im vergangenen Jahr: Strukturen eines wichtigen Coronavirus-Proteins vorherzusagen. Die Ergebnisse sollen zu der Entwicklung von Wirkstoffen und Nahrungsmitteln beitragen.

„Thank Your Ass Off“ mit Clubhouse und TED

Frei übersetzt: „Jetzt sei verdammt nochmal dankbar!“ – so lautet das Motto, das neue Bewegung in Social Audio bringt. Dahinter steckt die Partnerschaft von Clubhouse und TED Talk, die für das exklusive Programm „Thank Your Ass Off“ zusammenarbeiten. Hosts sind der populäre TED-Sprecher A. J. Jacobs und der Kreativkopf hinter Clubhouse Mir Harris. Nach dem Hype zu Beginn der Corona-Pandemie hatten die Mitgliederzahlen bei Clubhouse stagniert – nur in Indien wächst sie weiter. Ist das jetzt der entscheidende Move, mit dem der sich Clubhouse einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschafft? Die Social App verlässt damit die Beta-Phase und öffnet sich nun für alle – auch ganz ohne die zuvor benötigte Einladung.

Kündigungswelle im Valley?

Was nutzt die hippste Office-Umgebung, wenn kaum jemand mehr dort arbeiten will? In Scharen verließen Mitarbeitende die Tech-Hot-Spots, unter anderem, um weniger Miete zu zahlen – sie wollen laut Umfrage auch in Zukunft ihre Aufgaben vor allem im Home Office erledigen. AppleTikTok und Amazon, die eine Rückkehr im Herbst für zumindest einige Tage der Woche geplant hatten, lenkten aus verschiedenen Gründen ein. Google jedoch reagiert darauf mit Gehaltseinbußen für Remote Worker. Genau dieser Druck könnte dem Unternehmen eine Kündigungswelle einbringen. Was jetzt zu tun ist, um die wertvollen Fachkräfte zu halten? Hier einige Hints von Insidern.

Licht am Ende des Tunnels

Faszinierend, was Mathematik kann! Was bisher nur in Einsteins Theorien und Simulationen existierte, konnte nun in der wirklichen Welt gemessen werden: Astronomen von der Stanford University haben erstmals Röntgenlicht von der Rückseite eines Schwarzen Lochs beobachtet – und damit in der 800 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie I Zwicky 1 die Relativitätstheorie bestätigt.

Drei Fragen an… Jörg Kalitowitsch
Director IT & Communication | Provent Hotels GmbH

Jörg ist bei Provent Hotels verantwortlich für die komplette IT- und Kommunikationsstruktur. Der Betrieb des Datacenter gehört da ebenso dazu, wie der Einkauf von TK-Dienstleistungen. Provent ist seit 14 Jahren treuer Vodafone Kunde. Und das – wie in einer guten Ehe – mit allen Höhen und Tiefen, die das IT-Leben so mit sich bringt.

Was wolltest du früher mal werden?
Radiomoderator, fürs Fernsehen war ich zu schüchtern und ich entsprach nicht dem gängigen Bild des Showmasters. 😉

Was hast du zuletzt gegoogelt?
Ganz unspektakulär: eine Funktion für eine Software.

Welche Zitate „begleiten“ dich?
Benehmen ist Glückssache. Es gibt leider zu viele Menschen, die sehr viel Pech haben.