2021 Fernschreiben | 30. November 2021

Fernschreiben

Schaut man jenseits der grauen Novemberwolken weiter in die Tiefen des Alls, tun sich spannende Business-Sphären auf. Und auch in digitalen Parallelwelten herrscht überraschende Vielfalt. Unsere Abwechslung vom Herbstalltag lesen Sie hier.

The Great China Exit

Verstärkte Regulierung, umfangreiche Compliance-Anforderungen – China macht es Tech-Firmen mit der Personal Information Protection Law ( PIPL ) nicht leicht, den vielversprechenden Markt im Reich der Mitte zu bearbeiten. Viele ausländische Konzerne ziehen jetzt ihre Konsequenzen aus dem strengeren Äquivalent zur DSGVO und ihre Dienste aus China ab: Yahoo! komplettiert damit den 2015 begonnenen Rückzug aus der Volksrepublik, Epic Games beendete einen zweijährigen Versuch, gemeinsam mit Tencent eine angepasste Form von Fortnite an die Chinesen zu bringen und auch LinkedIn hat sich nun von seinen 54 Millionen Nutzer:innen in China zurückgezogen.

 

Next Step – die Space-Blockchain

Beim Start-Up Day unseres re:open berichtete Matthias Wachter, BDI, vom wachsenden Markt für Raumfahrt und über Businessmodelle im All – vielversprechend erscheinen diese auch für ESA und NASA . Sie erkunden derzeit, wie sie per Smart Contracts die Blockchain -Technologie nutzen können: Frachtverträge oder Funding für Weltraum-Missionen könnten beispielsweise so abgebildet werden. Bei SpaceBelt sollen Satelliten-Netzwerke in der erdnahen Umlaufbahn selbst zu einer in sich geschlossenen Blockchain werden – und damit ein vor Hackern geschützter Cloud-Service.

Bitcoin wird bankenfähig

Bisher waren Banken- und Kryptowelt mehr oder weniger streng getrennt – jetzt gibt das größte Finanzinstitut Australiens als erstes seine Zurückhaltung gegenüber Bitcoin & Co auf: Die Commonwealth Bank of Australia integriert sie in ihr Geschäft und reagiert damit auf das große Interesse ihrer Kund:innen am virtuellen Geld. Vor kurzem hatte auch Mastercard verkündet, in Zukunft Zahlungen mit Bitcoin zu ermöglichen. Streifen Kryptowährungen damit ihren Status als „ Schmuddelkind “ in der traditionellen Banking-Szene ab?

Bitcoin schluckt Tesla

… und Elon Musk stört es kein bisschen: Der erklärte Krypto-Fan hat selbst in Bitcoin investiert und freut sich entsprechend über die wachsende Gesamtmarktkapitalisierung, also den steigenden Wert aller sich im Umlauf befindlichen Bitcoins. Der belief sich zwischenzeitlich auf 1,3 Billionen US-Dollar und verdrängte damit Tesla auf der Rangliste der wertvollsten Assets von Platz 8.

Parallelwelt mit Style

Nike goes Metaverse: Die Markenrechte für digitale Versionen im Metaverse hat Nike bereits angemeldet, als „Cryptokicks“ könnten sie per NFT gehandelt werden. Den Trend , Mode für Gaming-Avatare anzubieten, gibt es schon einige Jahre, Nike selbst ist u. a. auf den Plattformen Roblox und Fortnite aktiv. Auch im Web 3.0 ist der Markt für virtuelle Mode groß. Konkurrent Adidas reagierte übrigens schnell auf den Nike-Move und lädt zum gemeinsamen Entwickeln neuer Ideen für das Metaverse in deren Sandbox ein.

Metaverse ist nicht Zuckerberg

Ob Mark Zuckerbergs Move, seinen Konzern in Meta umzubenennen, in seinem Sinne aufgeht? Derzeit scheint er jedenfalls allein durch seine Medienpräsenz die Deutungshoheit darüber zu haben, was dieses „Metaverse“ sein könnte. Nicht einverstanden mit dieser Marktmacht sind die Entwickler:innen, die schon länger in den dezentralen virtuellen Welten unterwegs sind, zum Beispiel die Macher von Enjin. Sie wollen mit dem Blockchain-Projekt Efinity dafür sorgen, dass das Metaversum dezentral bleibt – indem sie eine Polkadot-basierte Sidechain schaffen, die plattformübergreifend funktioniert. Für das Efinity-Entwickler-Ökosystem sammelt Enjin jetzt über einen 100-Millionen-Dollar-Fonds Kapital ein.

Treibstoff der Zukunft?

Wieder mit gutem Gewissen durch die Welt jetten? Das wollen uns Forschende an der ETH Zürich ermöglichen – und sind auf dem besten Wege einer industriellen Umsetzung ihrer Idee: Allein aus Sonnenlicht und Luft stellen sie CO2-neutrale Treibstoffe her. Ihre Solarraffinerie entzieht der Luft Kohlen- sowie Wasserstoff und produziert „Syngas“. Daraus können dann Benzin, Diesel, Kerosin und Methanol hergestellt werden. Einen industriellen Output plant das Spin-off des Projekts, Synhelion : Bis 2023 soll es 10.000 Liter Syngas aus Luft und Sonne herstellen, als Ziel für 2030 hat sich das Unternehmen eine Produktion von 875 Millionen Liter pro Jahr vorgenommen.

Cannabis-Seeding bringt reiche Ernte

Im September begeisterte Sanity-Group-Gründer Finn Hänsel viele Teilnehmende unseres re:open mit seinem Geschäftsmodell. Im Second-Closing der Series-A-Finanzierungsrunde gelang ihm das auch beim größten US-Investor für Cannabis-Start-ups: Casa Verde Capital beteiligt sich mit 3,5 Millionen US-Dollar . Damit reiht sich Casa Verdes Mitgründer, der Rapper Snoop Dog , in die Runde prominenter Sanity-Unterstützer ein. Wie es mit den Unternehmen auf unserer Watchlist weitergeht? Bei unserem Start-Up Day am 26./27. Januar 2022 in Berlin erfahren wir mehr! Also gleich den Termin vormerken!

„Alleskönner“ schwarzer Phosphor?

Kleiner, schneller, hauchdünn – eine Schicht aus drei Atomlagen schwarzen Phosphors könnte der Gamechanger für Displays oder die optische Datenübertragung in der Telekommunikation werden. Das Geheimnis der Nanopartikel: Sie wirken als Halbleiter und lassen sich entsprechend durch elektrische Signale beeinflussen – eine Million Mal schneller als LCD-Kristalle. So polarisieren sie Licht und streuen es über eine große Bandbreite, bis in den Infrarotbereich. Zuletzt war der Stoff als „heiliger Gral“ der Batterietechnologie in die Schlagzeilen gekommen: Forschende wollen ihn ebenfalls nutzen, um superschnell ladende Autobatterien herzustellen.

Nachrichten aus der Tiefe

Ein Mini-Kraftwerk haben Geochemiker der University of Nevada bei der Untersuchung eines Diamanten entdeckt. Anders als die meisten Diamanten, die in 120-250 Kilometer Tiefe entstehen, stammt dieser aus einer entfernteren Schicht, mehr als 660 Kilometer unter der Erdoberfläche. Unter hohem Druck in ihm eingeschlossen fanden sie Spuren von Calziumsilicat, das in dieser Form nur dort entstehen konnte. Denn in den Tiefen zwischen Erdmantel und -kruste nimmt es Spuren von Uran-, Thorium- und Kalium-Isotopen auf. Wenn sie zerfallen, entsteht Hitze – und das treibt den Wärmefluss zwischen den Erdschichten und die Plattentektonik an.

Drei Fragen an…

Doris Milzarek

Anna Alex
Gründerin und Chief Customer Officer (CCO) von Planetly

Planetly entwickelt digitale Tools für Unternehmen, die ihre CO2-Emissionen berechnen, reduzieren und ausgleichen wollen.

Anna Alex hat Wirtschaftswissenschaften, Soziologie und Psychologie studiert, startete ihre Karriere im Start-Up-Inkubator Rocket Internet und baute ab 2012 den Personal Shopping Service OUTFITTERY auf. Sie gehört zu Europas “Inspiring Fifty”, den “inspirierendsten Frauen in der Technik” und der “Jungen Elite – Top 40 unter 40”. Als Mitglied der Klimaschutzinitiative “Leaders for Climate Action” möchte sie die Klimakrise aktiv und unternehmerisch angehen. Planetly gründete sie gemeinsam mit Benedikt Franke.

 

Was sind Deine wichtigsten Ziele?
Ich habe Planetly gegründet, um die Business Welt klimaneutral zu machen. Wir sind in den vergangenen zwei Jahren seit Gründung schon sehr weit gekommen, aber wir stehen noch ganz am Anfang. Daher liegt mein Fokus auf dem Ausbau von Planetly, denn ich glaube ganz fest an die Gleichung: Impact = Purpose x Scale. Das bedeutet: Je mehr Unternehmen wir Transparenz zu ihrem CO2-Fußabdruck bieten, desto mehr Unternehmen können diesen managen und vor allem reduzieren. Und dann schaffen wir Schritt für Schritt eine klimaneutrale Wirtschaft.

 

Was ist das Erste, was Du morgens tust?
Meinen Kindern einen Guten-Morgen-Kuss geben.

 

Gibt es eine Person, mit der Du gerne privat frühstücken oder zu Mittag essen würdest, und warum? Er oder sie könnte dies sehen, wenn wir sie markieren.
Ich würde wirklich gerne Gwynne Shotwell, Präsidentin und COO von SpaceX, treffen. Sie leitet die Geschäfte des von Elon Musk gegründeten kommerziellen Raumfahrtunternehmens, und ich bewundere sie dafür, dass sie diese unglaublich visionäre Aufgabe übernommen hat. Könnt Ihr Euch vorstellen, ins Weltall zu fliegen und dort zu leben?