„Kaufen“ schreien geht nicht

LeFloid


Florian Mundt ist Social-Media-Star. Drei Millionen Abonnenten zählt sein YouTube-Channel, hunderttausende rufen wöchentlich seine Clips ab. Er ist „LeFloid“. Im Vodafone Hauptstadtbüro trifft der 29jährige Social-Media-Jongleur auf eine herausfordernde Runde: erfolgreiche Unternehmer, die den digitalen Wandel betrachten. Der gegenseitige Respekt ist nach wenigen Minuten regelrecht greifbar.


Nein, er sei kein digital Influencer. „Ich bin leidenschaftlicher Videoblogger“, sagt Florian Mund über LeFloid. Dass Kanzlerin Merkel ausgerechnet ihm ein Interview offerierte, erklärt sich aus Zuspruch: über 3 Millionen YouTube-Abonnenten, nahezu 900.000 Follower auf Twitter und fast 700.000 Likes bei Facebook hat Mundt. Seine Clips speisen sich aus aktuellem Nachrichtengeschehen und dem Aberwitz des Alltags im Seitenblick auf das Net.

DSC_0080Jeder Kurzfilm ist ein rasanter, kurzweiliger Flash im Mix aus ‚schau mal‘ und Kommentar. Seine Zuschauer sind zwischen 18 und 36 Jahre alt. Im Rückblick sieht Mundt sein Merkel-Interview übrigens kritisch: „Ich würde heute härtere Fragen stellen. Würde mich deswegen jemand rauswerfen?“

Was ist sein Erfolgsrezept im Social Media? „Authentizität, sich selbst sein“, ist die schlichte Antwort. „Sage ich offen, was ich denke, werde ich mir nicht widersprechen“. Das spürten die Menschen. YouTube sei Dialog, ein steter Austausch. Bevormundung im Denken sei grundsätzlich ausgeschlossen. „Ich will zum Mitdenken anregen“, verdeutlicht Mundt. „Ich sage meine Meinung und frage – Was ist Deine?“

Das hat Konsequenzen: Die Kommentare zu seinen Clips seien geradezu Seismograph aktueller Meinung. „Zum Thema Flüchtlingskrise könnten Umfrageinstitute jeden öffentlichen Meinungswechsel von Helfersyndrom über Ablehnung bis Nachdenken aus YouTube analysieren“, so Mundt. Und ja, nicht jede Äusserung sei einfach zu ertragen. Ein Dialog erfordere Zuverlässigkeit, regelmäßig Clips und Selbstmarketing. „Kommt dein Clip nicht pünktlich, fragt die Community ‚was’n los Alter‘ und erklärt dich dann für tot.“ Ernsthaftes Videoblogging fordert eine hart strukturierte 70-Stunden-Arbeitswoche.


„Jeder kennt den Begriff Productplacement. Die Community ist kritisch geworden“


Offene Kommunikation ist ein wichtiger Aspekt im digitalen Wandel der Unternehmen, doch wie motiviert man Mitarbeiter dazu? Mundt kontert mit eigener Erfahrung aus einem Arbeitsjahr in einem Konzern: Sei er im internen Chat unterwegs gewesen, lautete der Vorwurf: “Hast Du sonst nichts zu tun?“ Kommunikation sei Bedürfnis: „Wir verwenden in unserem Netzwerk einen Hashtag für das Feiern.“ Zuerst nutzten diesen nur Kollegen, dann auch Angehörige, heute auch deren Freunde. So sei ein Gemeinschaftsgefühl gewachsen. Niemand müsse das steuern oder befeuern, es entwickle sich aus den Beteiligten.

Und natürlich will die Unternehmerrunde wissen, wie sich Marken in die YouTube-Landschaft einbinden lassen. „Ein Produkt hochhalten und ‚kaufen‘ schreien geht gar nicht“, warnt Mundt. Jeder kenne den Begriff Productplacement, „die Community ist kritisch geworden.“ Es gelte einen Dialog aufbauen und das brauche eine Story, kleine Clips, die mitnehmen. Es fehle der Mut, um neue Wege zu beschreiten. Und ja, man könne ihn anrufen, zwinkert er im Selbstmarketing.

DSC_0131bDoch welche Zukunft hat ein Geschäftsmodell Videoblogging, also YouTube? Die Analysen zeigten, dass junge User in die Community wachsen und die Beginner aus der Startphase treu mit ihren Stars altern, erklärt Mundt. Und technisch? „VR wird es nicht“, er glaube eher an Biohacking.