Startupspirit im Silicon Valley

Nir Zuk ist ein Cyberkrieger, er bekämpft einen 445 Milliarden-Dollar-Markt. Auf diese Summe werden aktuell die globalen Umsätze in Sachen Cyberkriminalität taxiert. Dem Raubrittertum aus der Datenwelt hat Zuk den Krieg erklärt – er ist Gründer und CTO von Palo Alto Networks.


Das Unternehmen floriert: In den vergangenen zwölf Monaten steigerte es seine Einnahmen mit Sicherheitslösungen um 45 Prozent. Trotzdem bleibt es silicon-valley-leger. Zuk wirkt authentisch gründerlike, als er dem Vodafone Enterprise Plenum seine Insights schildert. Es ist eine von vielen überraschenden Begegnungen während der einwöchigen Arbeitsreise des Businessnetzwerks der Vodafone Geschäftskunden quer durch die IT- und Startup-Landschaft des Valley.

Schwerfällige Bürokratie ist für Zuk nicht nur Ärgernis, sie ist ein Problem. Kleine IT-Unternehmen werden nach seiner Erfahrung von Konzernen gekauft und scheitern schnell in deren starren Strukturen. Palo Alto bewahrt den Gründergeist: Die Basis ist vor allem ein umfangreiches Netzwerk aus Unternehmen, namhaften Branchengrößen, die den inhaltlichen Austausch praktizieren. Er sichert die sofortige Erfassung neuer Angriffsmethoden und die schnelle Entwicklung von Abwehrtechniken. Palo Alto Networks überträgt die Verteidigungslösungen in die Sicherheitsstrukturen für Endgeräte, intelligente Cloud und Netzwerke.

Die Technik dahinter prägt vor allem Zuk. Und er weiß, wovon er spricht – als 16jähriger jonglierte er erstmals Daten, programmierte und ja, er schickte auch mal einen Virus in die Datenweiten. Und nein, er hat kein glanzvolles Studium, er konzentrierte sich auf seine eigenen Themen, erklärt er dem Plenum. Im Valley zähle die Idee.


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Solcher Gründerspirit prägt in Kalifornien allerorten Zukunft. Bei Michele McConomy, Senior Vice President & GM of Corporate Innovation Services bei Rocketspace, ist erklärtes Ziel eine fundierte „Win-Win-Situation“ zwischen Startups und Konzernen: Der gezielte Austausch, das Miteinander mit neuen Ideen, öffne etablierten Unternehmen die Zukunft, erläutert McConomy dem Plenum. Ihre Präsentation untermauert eine wachsende Nachfrage. Zuk’s Erfahrungen und McConomy’s Zahlen bekräftigt auch der Innovation Hub von RWE. Dem Konzern genügt eine Handvoll autarker Innovationscouts im Silicon Valley. Sie haben Handlungsfreiheit, abseits üblicher Konzerngrenzen, erfährt das Plenum inmitten einer zwanglosen Plauderei im Garten. Der Austausch in der Sonne Kaliforniens hat Substanz: Im Vertrauensmodus lassen sich individuell Startups mit ihren Ideen nach Deutschland exportieren und umkehrt Ideen aus Europa ins Valley tragen. Erste Erfolge bestätigen den unkonventionellen Ansatz.

 


Ganz anders agiert der „Botschafter“ für Startups „Made in Germany“, der German Accelerator.  Im Investorenklima des Valley sind die Kreativen die Heros. Sie stellen sich dem Plenum zum Austausch: „Hello Kraftwerk“ erläuterte seine Mini-Brennzelle, „Favendo“ seine „Beacon-Technik“ als Online-Brücke zwischen stationärem Handel und möglicher Laufkundschaft. „VirtualQ“ stellt sich für den Kunden in die telefonische Servicewarteschleife und Qoubyte verknüpft Server zu einer Softwareeinheit, einschließlich passender Anschlussvarianten für die Unternehmen. Wer im harten Auswahlverfahren die Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums gewinnt, findet sich im Valley in einem noch härterem, noch kreativeren und noch anspruchsvollerem Klima wieder.

 

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